Akrokorinth, Akropolis, Adrenalin – Griechenland vor Kreta
Unser Weg führte uns zunächst in die Gegend um Korinth. Wir übernachteten etwas abseits, auf einem traumhaft schön gelegenen Platz zwischen der großen Burg Akrokorinth und dem kleineren Penteskoufi Castle, das auf einem gegenüberliegenden Hügel liegt. Von dort oben bot sich ein weiter Blick über die Ebene, die sich zum Meer hin öffnete – Felder, Olivenhaine, Straßen, die sich durch kleine Ortschaften schlängelten, und ganz hinten das tiefe Blau des Wassers. Abends leuchtete die Landschaft in warmem Gold, und es wurde stiller, als hätte sich die Gegend selbst eine Decke übergezogen. Einer dieser Orte, an denen man am liebsten einen ganzen Tag einfach nur sitzen und schauen möchte.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg hinauf zur Festung Akrokorinth – mit Aron in der Kraxe. Der Aufstieg ist zwar nicht allzu weit, aber ordentlich steil. Oben angekommen standen wir zwischen dicken Mauern, verwitterten Torbögen und halb eingestürzten Türmen. Akrokorinth war einst die Akropolis von Korinth – eine mächtige Befestigungsanlage, die über Jahrhunderte immer wieder erweitert wurde: von Griechen, Römern, Byzantinern, Franken, Venezianern und Osmanen.

Die Weite von dort oben ist schwer in Worte zu fassen. Das Land liegt einem zu Füßen, an klaren Tagen sieht man bis zur Küste auf beiden Seiten – den Golf von Korinth im Norden, den Saronischen Golf im Süden. Über die Steine wachsen wilde Kräuter, Ziegen klettern auf den Hängen. Und mittendrin wir, mit Kraxe, Kamera und offenen Mündern.

Danach ging’s weiter nach Athen, wo wir für mehrere Tage blieben. Wir standen auf einem großen öffentlichen Parkplatz – nicht schön, aber funktional. Zentral war er auch nicht wirklich, aber mit ein paar Stationen Metro waren wir schnell mittendrin.
Athen selbst hat uns ziemlich überrascht. Die Stadt ist rauer, als wir dachten – viele Graffiti, viel Beton, enge Wohnblöcke. Aber gleichzeitig: lebendig, vielfältig, offen. Kleine Läden, Trödler, Cafés, Secondhand, Gemüsehändler auf dem Bürgersteig. Und mittendrin immer wieder antike Ruinen, scheinbar beiläufig ins Stadtbild gestreut.

Und natürlich: die Akropolis. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es war sonnig, nicht zu heiß – perfekte Bedingungen. Der Weg hinauf war belebt, aber nicht überfüllt. Oben angekommen: Weitblick über die Stadt, klare Linien, gewaltige Geschichte. Der Parthenon, Athene geweiht, erhebt sich trotz seines ruinösen Zustands mit einer Art selbstverständlicher Würde. Wir kamen an den Propyläen vorbei, dem monumentalen Torbau mit seinen mächtigen Säulen, durch den man die Akropolis betritt. Dahinter das Erechtheion, schmaler, asymmetrisch, mit diesen berühmten Frauenfiguren – den Karyatiden – die das Dach des Vorbaus tragen. Und weiter unten, halb in den Hang gebaut, das Theater des Dionysos, wo schon vor über 2.000 Jahren die ersten Dramen aufgeführt wurden. All das lag offen vor uns – wie in eine Landschaft gestreut, ganz selbstverständlich zwischen Himmel, Steinen und Stadt.



Die Akropolis liegt auf einem 150 Meter hohen Felsen mitten in der Stadt und war das religiöse Zentrum des antiken Athens. Der Parthenon wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. erbaut und gilt bis heute als Sinnbild klassischer griechischer Architektur. Rundherum lagen weitere Heiligtümer und Versammlungsorte – man kann sich gut vorstellen, wie sehr dieser Ort das öffentliche und religiöse Leben der Stadt geprägt haben muss.

Und was wirklich besonders war: Wie oft man im Stadtbild – ganz nebenbei – diesen Blick hinauf zur Akropolis hatte. Man biegt irgendwo ab, schaut durch eine Gasse, zwischen Häusern hindurch, und plötzlich ist sie da. Ganz selbstverständlich, ganz präsent.

Kurz vor der Fähre wurde es dann nochmal spannend.
Wir standen an einer steilen Kreuzung mitten in Athen – zweispurige, stark befahrene Straße, eine Ampel, viel Verkehr. Ich dachte, ich hätte den ersten Gang drin, aber beim Anfahren rollte der Bus einfach nur rückwärts. Ich trat sofort wieder auf die Bremse. Noch ein Versuch. Wieder nur Rückwärtsbewegung. Mein erster Gedanke: Kupplung hinüber.
Die Menschen um uns herum wurden langsam ungeduldig, warfen uns fragende und zunehmend verärgerte Blicke zu. Redete auf griechisch auf uns ein, wir verstanden kein Wort – nur, dass es gerade ziemlich unangenehm war. Mehrere Ampelphasen gingen ins Land, während wir immer wieder versuchten, irgendwie anzufahren. Nichts. Die Panik stieg, der Adrenalinpegel war längst im roten Bereich. Zumal auch viel daran hing – wir mussten die Fähre erreichen, waren mit Sophies Schwester und ihrer Familie auf Kreta verabredet.
Dann, wie aus dem Nichts, fuhr ein Abschleppwagen an uns vorbei und hielt direkt vor uns. Der Fahrer stieg aus, fragte, was los sei. Kommunikation mit Händen, Füßen und Google Translate – er verstand zumindest, dass wir nicht vom Fleck kamen. Ohne langes Zögern setzte er sich ans Steuer, startete, legte den Gang ein – und fuhr einfach los. Ganz normal. Dann sah er mich kurz an, zog die Handbremse, sagte nur trocken: „What is the problem?“ und stieg wieder aus.
Währenddessen hatte Sophie schon den ADAC am Telefon. Zum zweiten Mal auf dieser Reise. Es war einfach einer dieser völlig überladenen Momente, in denen man merkt, wie dünn die Nerven manchmal sind. Ich setzte mich wieder ans Steuer, versuchte es nochmal – aber ich war wohl zu durch. Die nächste Ampelphase rückwärts. Also haben wir getauscht – Sophie übernahm, legte den Gang ein, fuhr los. Ganz normal.
Rückblickend scheint die Ursache simpel: Ich hatte vermutlich ständig den Rückwärtsgang eingelegt. Normalerweise muss man ja für den Rückwärtsgang eigentlich den Schaltknauf runterdrücken und dann weit nach links oben. Aber offensichtlich ging das inzwischen auch ohne das Runterdrücken – und ich war einfach ein bisschen zu forsch beim Einlegen gewesen.
Ein Erlebnis, das so banal klingt – aber in dem Moment hing gefühlt die ganze Reise dran.
Am Hafen angekommen, rollten wir auf den Parkplatz vor der Fähre – und mussten erstmal warten. Es waren noch ein paar Stunden bis zur Abfahrt, das Beladen hatte noch nicht begonnen. Als es dann endlich losging, waren natürlich erst mal die ganzen LKWs dran. Wir standen also weiterhin bereit, Aron langsam müde, wir auch. Kurz vor Abfahrt der Fähre kam dann das Signal: Jetzt sind die Camper dran. Endlich.

Wir fuhren vor, reichten dem Einweiser unsere Tickets. Er warf einen kurzen Blick drauf und sagte nur: „Wrong tickets.“
Für ihn war klar: Das ist ein Wohnmobil, kein Auto. Und wir hatten die falsche Kategorie gebucht.
Also raus aus dem Auto, losgerannt zum Ticketschalter, angestellt, gewartet. Als ich endlich dran war, versuchte ich der Dame am Schalter das Ganze zu erklären. Zuerst nickte sie, schien zu verstehen. Sie fing an zu arbeiten. Mit der Zeit wurde ihr Blick immer konzentrierter, fragender. Sie begann nervös mit den Fingern auf dem Tisch zu trommeln, schaute sich um, sprach mit einem Kollegen, der sprach in sein Walkie-Talkie. Und ich stand da, innerlich langsam verzweifelnd, äußerlich bemüht, ruhig zu bleiben. Es dauerte. Nüchtern betrachtet vielleicht zwanzig Minuten, gefühlt eine Stunde.
Am Ende hielt ich die korrigierten Tickets in der Hand. Aufpreis: 100 Euro. Wenn ich es richtig verstanden habe, lag das Problem darin, dass man die Tickets nicht einfach umbuchen konnte, weil Aron mit auf dem Ticket stand – als kostenloser Mitfahrer. Irgendwas in der EDV kam damit nicht klar. Warum auch immer. Muss man nicht verstehen.
Aber: Wir durften drauf. Fuhren an Bord. Hatten eine Kabine. Und Aron fand das Schiff natürlich super. Alles spannend, alles anders. Für uns war’s ein ruhiger Übergang – raus aus der Stadt, rüber auf die Insel. Die Überfahrt verlief entspannt. Und am nächsten Morgen rollten wir auf kretischen Asphalt.