Beiträge von Zukzuk

Bitte bei Problemen mit dem Forum das Endgerät und Version angeben!

    Hi, ich bin nicht Teil des Treffens. Aber vielleicht fährt jemand aus der Nähe von Barsbüttel (oder kommt dort vorbei) und könnte von Sonnenschein83 vier Felgen samt Reifen zum Treffen in Hude transportieren. Von dort aus nach Berlin klappt.

    Vielen Dank!

    Ich muss mich an der Stelle nochmal selbst zitieren. Der Transport von Hude aus nach Berlin würde klappen. Jetzt müssten die Felgen nur noch irgendwie nach Hude. Wir sind leider aufgrund von vermaledeiten Gründen in zeitlichem Zugzwang und könnten zB nicht bis zum Elbetreffen warten. Wir sind selbst bis Samstag auf Rügen und könnten auf dem Rückweg baugleiche Felgen mit einem kleinen Umweg selbst abholen. Sind nur gut 200€ teurer.

    Zukzuk Wie ging eure Reise weiter? Alles gut bei euch?

    Ja, uns geht's mittlerweile wieder ganz gut. Es tut mir leid, dass ich so lange nichts von uns habe hören lassen. Ich hatte damals den Plan, die letzten Wochen der Reise nur zu genießen und die Berichte zu schreiben, wenn wir wieder daheim sind. Auch für mich zum erneuten Genießen. Leider gab's zu Hause ziemlich harte Konfrontationen mit der sogenannten Realität, die mich privat und beruflich ziemlich mitgenommen haben und auch nach wie vor beschäftigen. Richtige Watschn. Erst war keine Zeit und dann hatte ich keine Muße. Ich nehme mir aber vor hier wieder etwas aktiver zu sein und auch diesen Thread zu Ende zu erzählen.

    Werkstatt-Schreck, archäologische Überraschung & Familienzeit – unterwegs auf der Datça-Halbinsel

    Nach ein paar Tagen in Bodrum – mit Friseurbesuch, Schneidertermin und der dringend nötigen Wäsche – fuhren wir weiter an die Küste, zu einem abgelegenen Stellplatz direkt am Meer. Wir standen dort neben alten Mauern und Steinen, die offensichtlich zu einer antiken Ruinenstätte gehörten. Wir wussten nicht genau, was das mal war – aber es sah spannend aus, die Aussicht war traumhaft, und wir freuten uns auf einen ruhigen Abend.

    Die Nacht dort war auch ruhig. Am nächsten Morgen dann der Schreck: Ich entdeckte beim Blick unters Auto ein Leck, das (für mich) nach austretendem Öl aussah. Die Panik kam sofort – war es vielleicht Motoröl? Stand uns da ein größerer Schaden bevor? Und just in diesem Moment tauchte auf dem Gelände, auf dem wir standen, auch noch ein Trupp Archäologen auf. Es stellte sich heraus: Wir standen tatsächlich direkt an einer aktiven Ausgrabungsstätte, ohne es zu wissen. Die Stimmung schwankte irgendwo zwischen Sorge um den Bus und Schmunzeln über die skurrile Situation.

    Wir entschieden, den Ort besser zu verlassen und machten uns auf den Weg zurück nach Bodrum – auf der Suche nach einer Werkstatt, die uns kurzfristig helfen konnte. Die Diagnose vor Ort war dann zum Glück nicht ganz so dramatisch: Kein Motoröl, sondern jede Menge Schmierfett aus der Gummihülle der Antriebswelle, getriebeseitig. Zwar hatte die Werkstatt keine passenden Ersatzteile auf Lager, doch sie improvisierten und brachten den Schaden provisorisch in Ordnung, sodass wir erst einmal weiterfahren konnten. Die Erleichterung war groß und meine Sorgen in einem anderen Threads in diesem Forum beruhigt. Vielen Dank nochmal dafür.

    So führte uns die Reise weiter auf die Datça-Halbinsel, wo wir an einem wunderschönen Küstenabschnitt einen Stellplatz fanden. Am Tag nach unserer Ankunft kamen zwei Langzeitreisefamilien mit Kindern dazu. Die Kinder verstanden sich sofort, spielten, entdeckten, buddelten und lachten miteinander. Für uns war es genauso wohltuend: Gespräche über die Fahrzeuge, übers Reisen, über Alltag unterwegs und vor allem das gegenseitige Kennenlernen.

    Wir verbrachten mehrere Tage zusammen an verschiedenen Stellplätzen der Halbinsel – immer nah am Meer, oft mit Lagerfeuer am Abend, gemeinsamem Kochen am Strand und guter Gesellschaft. Die Tage fühlten sich leicht an. Aron quietschte regelmäßig vor Freude, war rundum glücklich und völlig vertieft ins Spiel mit den anderen vier Kindern.

    Ob wir je wieder ohne Lagerfeuer am Meer leben oder Aron ohne das Wellenrauschen einschlafen kann – wir waren uns da nicht ganz sicher. Die Sonne zeigte sich mittlerweile von ihrer sommerlichen Seite. Sophie reagierte mit ihrer „Geisterhaut“ direkt – eine kleine Sonnenallergie an ein paar Stellen war die Folge. Nicht dramatisch, aber unangenehm, und wir versuchten das mit Schatten, Cremes, Beta-Carotin und etwas Zurückhaltung in den Griff zu bekommen. Was zum Glück klappte.

    Aron wurde unterdessen immer flotter auf den Beinen. Oft trug er zur Sicherheit unseren „Fallsack“ –, um ihn bei steinigem Untergrund sicherer zu begleiten. Jutebeute, unten zwei Löcher für die Beine. So kann man relativ rückenschonend mit Hilfe der Tragegriffe schlimme Stürze verhindern und das Kind trotzdem ziemlich frei laufen üben. Sobald er draußen war, sauste er mit wackeligem, aber entschlossenem Schritt durch die Gegend, lachend entdeckend.

    Es waren ein paar wirklich schöne, inspirierende Tage. Die Kombination aus Begegnungen, Wärme, Meer und entspanntem Austausch hatte uns sehr gutgetan.

    Ankommen in der Türkei – ein Kapitän, ein Nummernschild und sehr viel Herzlichkeit

    Bevor wir in der Türkei ankamen, verbrachten wir noch anderthalb Tage auf der griechischen Insel Chios. Eigentlich hatten wir überlegt, ein bisschen länger zu bleiben und auch die Insel zu erkunden. Aber nach den Fährfahrten über Nacht und wenig erholsamen Schlaf war die Energie gering, und die Neugier auf die Türkei riesig. Der Entschluss stand: Wir fahren bald weiter.

    Unser Stellplatz dort war süß, ruhig gelegen, mit Blick auf eine kleine Kapelle direkt am Strand – allerdings regnete es nahezu durchgängig. Auch wenn es schade um den Ort war, passte es eigentlich ganz gut: Wir waren einfach ziemlich gerädert und nutzten die Zeit für viel Schlaf und etwas Erholung.

    Dann ging es weiter – mit der kurzen Fährverbindung nach Çeşme. Und dort nahm unsere Türkei-Etappe gleich einen denkwürdigen Anfang.

    Schon beim Warten an Bord kam ich mit einem Mann ins Gespräch, der sich als ausgesprochen offen und witzig herausstellte. Er hatte zuvor Fotos von unserem T4 gemacht – was ich zunächst etwas kurios fand. Dann erklärte er, dass er „B-S-R“ auf unserem Kennzeichen gesehen hatte und dachte, das wäre vielleicht eine passende Abkürzung für seinen eigenen Namen: Cenk Beser. Er hatte das Bild direkt an seinen Bruder geschickt – die beiden überlegen wohl schon länger, wie man den Namen gut auf ein Nummernschild bekommt. So kamen wir ins Gespräch, ganz ohne zu wissen, wen wir da eigentlich vor uns hatten.

    Wir durften während der Überfahrt im Fahrzeug bleiben, was mit Aron goldwert war. Irgendwann wollte er aber doch mal raus, also liefen wir mit ihm eine Runde übers Deck – und kamen zufällig an der Kapitänsbrücke vorbei. Und da stand er: unser Gesprächspartner. Tatsächlich Kapitän. Als er uns sah, deutete er uns direkt reinzukommen. Aron durfte mal ans Steuer und ziemlich schnell kam die Frage: „Braucht ihr irgendwas? Kann ich helfen?“ Eine Eigenart, die uns in der Türkei noch häufig begegnen sollte.

    Wir hatten in der Tat ein paar Dinge vor, u. a. wollten wir schon lange die Spur einstellen lassen – das Thema schleppten wir ehrlich gesagt seit dem Start der Reise mit. Cenk selbst kam aus Izmir und meinte, in seiner Heimatstadt hätte er einen guten Freund, der eine Werkstatt für solche Angelegenheiten betreibt. Für Çeşme selbst hatte er aber auch direkt einen Werkstatt-Kontakt parat und meinte, wir sollen erstmal durch den Einreiseprozess kommen, und dann würde er auf uns warten und uns den Weg zeigen.

    Die Einreise war dann deutlich aufwändiger als gedacht: Erst der Personencheck, dann wurde unser Bus noch durch einen riesigen mobilen X-Ray-Scanner gefahren – ein LKW mit seitlichem Aufbau, der sich über unser Auto schob. Alles in allem dauerte es fast eine Dreiviertelstunde. Als wir endlich draußen waren, dachten wir: Der Kapitän ist sicher längst weg.

    Doch kaum fuhren wir aus dem Hafen, winkte plötzlich eine Hand aus einem Kleinwagen. Und da war er wirklich. Er bedeutete uns, ihm zu folgen. Aron war inzwischen eingeschlafen, und so entschieden wir, das mit der Werkstatt erstmal aufzuschieben. Ich erklärte ihm die Situation, bedankte mich und meinte, das könnten wir auch ein paar Tage später in Izmir angehen.

    „Braucht ihr denn sonst irgendwas?“ – kam sofort die nächste Frage. Und ja, tatsächlich: Eine türkische SIM-Karte fehlte uns noch. Kein Problem, meinte er. Sein Beifahrer – ein Kollege von der Crew – griff sofort zum Handy. Kurz darauf folgten wir den beiden durch die Stadt zu einem Mobilfunkladen. Leider war dort das Kassensystem schon abgeschaltet. Also weiter. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit mit ganz schönem Tempo, wohlgemerkt – ich bin mit dem T4 wirklich an meine Fahrgrenzen gekommen. Der nächste Laden hatte noch geöffnet, war aber ziemlich teuer. Auch das kommentierte er offen: „Das zahlt ihr lieber nicht.“ Also weiter zum dritten Laden, fußläufig erreichbar. Günstiger, aber noch immer kein Schnäppchen.

    Er verhandelte, sprach viel mit dem Verkäufer, und irgendwann meinte er: „Ihr kauft die Karte auf meinen Namen. Das ist für euch deutlich billiger.“ Gesagt, getan. Vertrag abgeschlossen, SIM aktiviert, alles eingerichtet. Wir wollten ihm natürlich was zum Dank dalassen, aber er winkte nur ab. Zum Essen hatte er uns auch noch eingeladen, aber wir sagten ab, da Aron schon fest schlief.

    Zum Abschied tauschten wir Nummern. Er sagte: „Wenn ihr in der Türkei irgendwas braucht – ruft einfach an. Ich helfe euch. Welcome to Turkey“

    Und so startete unsere Reise durch die Türkei mit einer Welle an Hilfsbereitschaft, Offenheit und Herzlichkeit, die uns wirklich bewegt hat. Es war ein besonderer Moment, der uns einiges über dieses Land gelehrt hat – über Mentalität, Werte, und darüber, wie schön es sein kann, wenn man sich einfach gegenseitig unterstützt.

    Ein Willkommen, das man so schnell nicht vergisst.

    Nach dem überraschend warmen Empfang durch den Kapitän und der abenteuerlichen SIM-Karten-Beschaffung entschieden wir uns, die Gelegenheit direkt zu nutzen und noch am Abend die Strecke nach Izmir zu machen.

    Izmir selbst – eine gewaltige Stadt. Hochhäuser, viel Verkehr, sehr lebendig, laut, groß. Nach der ruhigen Zeit davor erstmal wieder ein kleiner Kulturschock. Aber wir fanden tatsächlich recht entspannt einen Stellplatz für die Nacht – auf einem öffentlichen Parkplatz am Rande eines Parks, direkt neben einer der Hauptstraßen der Stadt. Zwischen Picknickbänken und kreisrunden Tischen wurde schnell klar: Picknick ist hier mehr als Freizeit – es ist Kultur. Ein schöner Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Wochen noch oft begegnen würde.

    Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur Werkstatt. Nach etwas Durchfragen fanden wir schließlich die richtige „Rot Balans“-Bude. Der Chef begrüßte uns mit offenen Armen, man stellte uns Chai hin, es wurde Essen für uns organisiert, es wurde gelacht, gedeutet, übersetzt – via Google Translate, was einige sehr unterhaltsame Sätze hervorbrachte. Aber auch Cenk hatte angerufen, etwas übersetzt und wollte einfach wissen, wie es uns geht.

    Die Diagnose: beide Spurstangenköpfe gebrochen. Wurden direkt vor Ort ersetzt. Nach der zweiten Einstellung fuhr unser Auto tatsächlich wieder geradeaus. Und auch sonst nahm man sich Zeit – etwa für das Thema mit unseren Lüftern, die inzwischen klangen, als würde gleich ein Staubsauger abheben. Der Neffe des Chefs stieg mit uns ins Auto und fuhr verschiedene Werkstätten ab, um jemanden zu finden, der sich darauf spezialisiert hat. Zwar ohne finale Lösung, aber mit klarer Ansage: solange die Motortemperatur stimmt – einfach beobachten. Im Zweifel hilft ein kurzer Einschub der Klimaanlage. Diese Problematik sollte später noch für einen pulssteigernden Moment bei uns sorgen. Dazu später mehr.

    Es war einfach ein rundum angenehmer Werkstattbesuch – freundlich, zugewandt, hilfsbereit. Am Ende machten wir noch ein Gruppenfoto mit der ganzen Crew, Aron mittendrin und wieder ganz der Charmeur.

    Ein weiterer Moment, der dieses „Willkommen in der Türkei“ so besonders gemacht hat.

    Weiter ging es südlich der Küstenlinie folgend. Ursprünglich hatten wir Ephesos auf dem Zettel. Doch Eintrittspreise von 40€ p.P. ließen uns umdenken. Wir verbrachten die Nacht an einem beliebten Strand ganz in der Nähe. Hier kamen wir mit einer zweiten Eigenart dieses Landes in Kontakt. Müll! Das nicht vorhandene Bewusstsein und auch kaum Bereitschaft, den eigenen wieder mitzunehmen.

    Am nächsten Tag ging's weiter nach Bodrum.

    Kreta – Abschied zwischen Stränden und ersten Schritten

    Wir hatten eine wunderschöne gemeinsame Woche auf Kreta mit Sophies Schwester Nora und ihrer Familie – eine Zeit, die uns allen unglaublich gutgetan hat. Zusammen hatten wir eine Ferienwohnung in der Nähe von Heraklion gemietet, was nach Wochen im Bus eine Wohltat war: endlich wieder duschen, Wäsche waschen, ein richtiges Zuhause auf Zeit – und vor allem Familie um uns herum. Gerade mit Aron war das eine große Bereicherung.

    Das Wetter spielte in dieser Woche leider nicht so richtig mit. Oft war es grau und regnerisch, besonders im Norden der Insel. Trotzdem machten wir das Beste daraus: Wir besuchten zusammen den berühmten Tempel von Knossos und unternahmen einen schönen Ausflug zum Hippie-Strand Matala. An den sonnigeren Tagen im Süden machten wir kleine Ausflüge, und abends wurde gemeinsam viel Siedler gespielt – jeder durfte mal gewinnen. Die Stimmung war entspannt, herzlich und voller guter Laune.

    Gerade weil die Woche so schön war, fiel der Abschied danach richtig schwer. Es fühlte sich wirklich nach einem kleinen Urlaub im Urlaub an.

    Nun waren wir wieder zu dritt unterwegs und verbrachten noch weitere drei Wochen auf Kreta. Die Zeit verging wie im Flug.

    Wir fuhren von Heraklion aus Richtung Westen, machten einen Stopp in Chania und rollten dann die Westküste Richtung Süden und die Südküste entlang ostwärts zurück. Unterwegs standen wir an wunderschönen, oft komplett leeren Stränden. In der Nebensaison hatten wir viele Plätze ganz für uns allein – kaum zu glauben, wenn man hört, dass sich im Sommer an manchen Stränden bis zu 8.000 Menschen tummeln.

    Kreta beeindruckte uns aber nicht nur mit seinen einsamen Stränden. Die Landschaft selbst war atemberaubend abwechslungsreich: weite Hochebenen, zerklüftete Bergketten, sanfte Hügel voller Olivenbäume und dazwischen immer wieder kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben schien. In der Ferne glitzerte fast immer irgendwo das Meer. Auch geschichtlich spürte man überall den Reichtum der Insel: die Überreste der minoischen Kultur, byzantinische Kirchen, venezianische Festungen – Kreta ist durch und durch von Geschichte durchdrungen.

    An einem dieser Strände kamen wir in den Genuss kleiner Gesten großer Herzlichkeit: Tagsüber schenkte uns ein freundlicher Einheimischer Gurken, und später am Abend klopfte es plötzlich an unser Fahrzeug. Als wir öffneten, stand dort ein Mann mit einer kleinen Schüssel frisch zubereiteten Kartoffelbreis – extra für Aron. Einfach so. Diese Art der Freundlichkeit bleibt im Gedächtnis.

    Das Wetter war wechselhaft – mal Sonne, mal Wolken, gelegentlich ein Schauer –, aber insgesamt angenehm. Für Februar konnten wir uns wirklich nicht beklagen.

    Ganz besonders bleibt uns Kreta auch in Erinnerung, weil Aron hier seine ersten richtigen Schritte gemacht hat. Die weiten, offenen Strände waren perfekt dafür: viel Platz, keine Hindernisse – und so flitzte er bald immer sicherer durch den Sand, lachte, gluckste und ließ sich vom Wind tragen. Sein Lieblingsspiel: Stein in den Mund und sich von den Eltern jagen lassen. Diese Freudenlaute seinerseits. Köstlich. Besondere Momente, die wir hoffentlich nie vergessen werden.

    Ursprünglich hatten wir geplant, von Kreta aus direkt mit der Fähre nach Rhodos überzusetzen und von dort weiter in die Türkei zu reisen. Diese Idee entstand ziemlich am Anfang unserer Reise, als Nora fragte, ob wir uns irgendwo treffen könnten, um dem Berliner Winter zu entfliehen. Wir dachten uns: Kreta, Sonne, schöne Aussicht – und eine Autofähre nach Rhodos und von dort weiter in die Türkei gibt’s ja auch.

    Was wir damals nicht überprüft hatten: Im Winter fahren die Autofähren nicht – sie verkehren erst ab Mai. So mussten wir spontan umplanen: zurück nach Athen, dann nach Chios, und von dort nach Çeşme aufs türkische Festland.

    Kreta war ein sehr schöner und stimmiger Abschluss Europas.

    Danke Dir! Das freut uns!

    Die schlechteren Bilder sind mit meiner Kamera. Hab ne Redmi Note Pro 10 und die schöneren von meiner Freundin. Sie hat ein Xiaomi 3. Also eigentlich relativ alte/günstige Smartphones.

    Es nimmt beim Gasgeben nicht zu. Es ist nicht dauerhaft da. Aber schon regelmäßig. Bei den letzten drei Touren jeweils kurz. Im Leerlauf nicht. Es kommt schon, wenn wir Gas geben. Ich hab das Gefühl irgendwas vibriert.

    Wir waren gerade in der Werkstatt und sie haben das Loch im Auspuff geschweißt und den fehlenden Gummi ersetzt (allerdings durch einen deutlich dickeren). Ich mach da nachher nochmal ein Foto von. Und sie wollten partout kein Geld.

    Alles klar!

    Iran: carnet de passage habt ihr? Der Aufwand (zusätzlich zu den Visa) hält mich davon ab, "mal eben" in den Iran zu fahren...

    Ne, haben wir nicht. Wir wollten ursprünglich nicht hin, sondern auf einer anderen Reise in den Iran. Sei aber nicht so langwierig zu bekommen, laut Aussage der Dame. Wir müssen uns nochmal schlau machen. Vielleicht wird's auch nur eine andere Reiseroute zunächst durch Georgien und dann Armenien und dann noch mal Georgien.

    Wir sind gerade in Van am Vansee, eigentlich war der Plan kurz Richtung Georgien und dann erstmal Armenien. Allerdings ist es vorraussichtlich doch nch relativ kühl in Armenien. Deshalb sind wir gedanklich gerade dabei den Plan eventuell abzuändern. Die iranische Grenze ist ja auch nur einen Katzensprung entfernt. Am letzten Stellplatz ein älteres holländisches Paa getroffen und uns lang ausgetauscht. Auch über den Iran. Sie war schon sehr häufig dort, war einige Jahre Tourguide in dem Land, spricht die Sprache. Das hat meine Sehnsucht wieder genährt und es wäre temperaturtechnisch deutlich angenehmer.

    Wir bemühen uns kupplungsschonend zu fahren. Vielen Dank für die ganzen Hinweise dahingehend und auch sonst wieder große Klasse gewesen die Unterstützung. Wir hatten ja das Go von dem KfZ-Meister hier vor Ort. Seitdem wir den Schlauch abgedichtet und die Umgebung gereinigt haben auch kein Geruch mehr bei Bergtouren. Rein Fahrtechnisch spüre ich auch keinen Unterschied.

    Bremse übrigens unauffällig. Danke euch!

    Es gibt schon wieder eine neue Sache am Horizont. Ein drehzahlunabhängiges Röhren, Klackern. Tritt nur in den ersten beiden Gängen auf. Auch nicht ständig. Ab dem dritten Gang weg. Wenn man die Klima ausstellt, wird es merklich leiser bis kaum hörbar. Aber ich wollte da erstmal den reparierten Auspuff bzw. den Werkstattbesuch abwarten. Wollte auch selbst erstmal ein paar Tests machen, um das Problem bestmöglich eingrenzen zu können. Waren in einem Werkstattviertel (in einem kleinen Ort), aber da haben wir keinen Auspuffservice gefunden bzw. keine Werkstatt, die sich dem Problem annehmen wollte. In zwei größeren Städten schlief Aron zu dem Zeitpunkt gerade und wir wollten ihn nicht deshalb um seinen Schlaf bringen. Morgen machen wir uns noch mal auf die Suche

    Gute Reise euch!

    Akrokorinth, Akropolis, Adrenalin – Griechenland vor Kreta

    Unser Weg führte uns zunächst in die Gegend um Korinth. Wir übernachteten etwas abseits, auf einem traumhaft schön gelegenen Platz zwischen der großen Burg Akrokorinth und dem kleineren Penteskoufi Castle, das auf einem gegenüberliegenden Hügel liegt. Von dort oben bot sich ein weiter Blick über die Ebene, die sich zum Meer hin öffnete – Felder, Olivenhaine, Straßen, die sich durch kleine Ortschaften schlängelten, und ganz hinten das tiefe Blau des Wassers. Abends leuchtete die Landschaft in warmem Gold, und es wurde stiller, als hätte sich die Gegend selbst eine Decke übergezogen. Einer dieser Orte, an denen man am liebsten einen ganzen Tag einfach nur sitzen und schauen möchte.

    Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg hinauf zur Festung Akrokorinth – mit Aron in der Kraxe. Der Aufstieg ist zwar nicht allzu weit, aber ordentlich steil. Oben angekommen standen wir zwischen dicken Mauern, verwitterten Torbögen und halb eingestürzten Türmen. Akrokorinth war einst die Akropolis von Korinth – eine mächtige Befestigungsanlage, die über Jahrhunderte immer wieder erweitert wurde: von Griechen, Römern, Byzantinern, Franken, Venezianern und Osmanen.

    Die Weite von dort oben ist schwer in Worte zu fassen. Das Land liegt einem zu Füßen, an klaren Tagen sieht man bis zur Küste auf beiden Seiten – den Golf von Korinth im Norden, den Saronischen Golf im Süden. Über die Steine wachsen wilde Kräuter, Ziegen klettern auf den Hängen. Und mittendrin wir, mit Kraxe, Kamera und offenen Mündern.

    Danach ging’s weiter nach Athen, wo wir für mehrere Tage blieben. Wir standen auf einem großen öffentlichen Parkplatz – nicht schön, aber funktional. Zentral war er auch nicht wirklich, aber mit ein paar Stationen Metro waren wir schnell mittendrin.

    Athen selbst hat uns ziemlich überrascht. Die Stadt ist rauer, als wir dachten – viele Graffiti, viel Beton, enge Wohnblöcke. Aber gleichzeitig: lebendig, vielfältig, offen. Kleine Läden, Trödler, Cafés, Secondhand, Gemüsehändler auf dem Bürgersteig. Und mittendrin immer wieder antike Ruinen, scheinbar beiläufig ins Stadtbild gestreut.

    Und natürlich: die Akropolis. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es war sonnig, nicht zu heiß – perfekte Bedingungen. Der Weg hinauf war belebt, aber nicht überfüllt. Oben angekommen: Weitblick über die Stadt, klare Linien, gewaltige Geschichte. Der Parthenon, Athene geweiht, erhebt sich trotz seines ruinösen Zustands mit einer Art selbstverständlicher Würde. Wir kamen an den Propyläen vorbei, dem monumentalen Torbau mit seinen mächtigen Säulen, durch den man die Akropolis betritt. Dahinter das Erechtheion, schmaler, asymmetrisch, mit diesen berühmten Frauenfiguren – den Karyatiden – die das Dach des Vorbaus tragen. Und weiter unten, halb in den Hang gebaut, das Theater des Dionysos, wo schon vor über 2.000 Jahren die ersten Dramen aufgeführt wurden. All das lag offen vor uns – wie in eine Landschaft gestreut, ganz selbstverständlich zwischen Himmel, Steinen und Stadt.

    Die Akropolis liegt auf einem 150 Meter hohen Felsen mitten in der Stadt und war das religiöse Zentrum des antiken Athens. Der Parthenon wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. erbaut und gilt bis heute als Sinnbild klassischer griechischer Architektur. Rundherum lagen weitere Heiligtümer und Versammlungsorte – man kann sich gut vorstellen, wie sehr dieser Ort das öffentliche und religiöse Leben der Stadt geprägt haben muss.

    Und was wirklich besonders war: Wie oft man im Stadtbild – ganz nebenbei – diesen Blick hinauf zur Akropolis hatte. Man biegt irgendwo ab, schaut durch eine Gasse, zwischen Häusern hindurch, und plötzlich ist sie da. Ganz selbstverständlich, ganz präsent.

    Kurz vor der Fähre wurde es dann nochmal spannend.
    Wir standen an einer steilen Kreuzung mitten in Athen – zweispurige, stark befahrene Straße, eine Ampel, viel Verkehr. Ich dachte, ich hätte den ersten Gang drin, aber beim Anfahren rollte der Bus einfach nur rückwärts. Ich trat sofort wieder auf die Bremse. Noch ein Versuch. Wieder nur Rückwärtsbewegung. Mein erster Gedanke: Kupplung hinüber.

    Die Menschen um uns herum wurden langsam ungeduldig, warfen uns fragende und zunehmend verärgerte Blicke zu. Redete auf griechisch auf uns ein, wir verstanden kein Wort – nur, dass es gerade ziemlich unangenehm war. Mehrere Ampelphasen gingen ins Land, während wir immer wieder versuchten, irgendwie anzufahren. Nichts. Die Panik stieg, der Adrenalinpegel war längst im roten Bereich. Zumal auch viel daran hing – wir mussten die Fähre erreichen, waren mit Sophies Schwester und ihrer Familie auf Kreta verabredet.

    Dann, wie aus dem Nichts, fuhr ein Abschleppwagen an uns vorbei und hielt direkt vor uns. Der Fahrer stieg aus, fragte, was los sei. Kommunikation mit Händen, Füßen und Google Translate – er verstand zumindest, dass wir nicht vom Fleck kamen. Ohne langes Zögern setzte er sich ans Steuer, startete, legte den Gang ein – und fuhr einfach los. Ganz normal. Dann sah er mich kurz an, zog die Handbremse, sagte nur trocken: „What is the problem?“ und stieg wieder aus.

    Währenddessen hatte Sophie schon den ADAC am Telefon. Zum zweiten Mal auf dieser Reise. Es war einfach einer dieser völlig überladenen Momente, in denen man merkt, wie dünn die Nerven manchmal sind. Ich setzte mich wieder ans Steuer, versuchte es nochmal – aber ich war wohl zu durch. Die nächste Ampelphase rückwärts. Also haben wir getauscht – Sophie übernahm, legte den Gang ein, fuhr los. Ganz normal.

    Rückblickend scheint die Ursache simpel: Ich hatte vermutlich ständig den Rückwärtsgang eingelegt. Normalerweise muss man ja für den Rückwärtsgang eigentlich den Schaltknauf runterdrücken und dann weit nach links oben. Aber offensichtlich ging das inzwischen auch ohne das Runterdrücken – und ich war einfach ein bisschen zu forsch beim Einlegen gewesen.

    Ein Erlebnis, das so banal klingt – aber in dem Moment hing gefühlt die ganze Reise dran.

    Am Hafen angekommen, rollten wir auf den Parkplatz vor der Fähre – und mussten erstmal warten. Es waren noch ein paar Stunden bis zur Abfahrt, das Beladen hatte noch nicht begonnen. Als es dann endlich losging, waren natürlich erst mal die ganzen LKWs dran. Wir standen also weiterhin bereit, Aron langsam müde, wir auch. Kurz vor Abfahrt der Fähre kam dann das Signal: Jetzt sind die Camper dran. Endlich.

    Wir fuhren vor, reichten dem Einweiser unsere Tickets. Er warf einen kurzen Blick drauf und sagte nur: „Wrong tickets.“
    Für ihn war klar: Das ist ein Wohnmobil, kein Auto. Und wir hatten die falsche Kategorie gebucht.

    Also raus aus dem Auto, losgerannt zum Ticketschalter, angestellt, gewartet. Als ich endlich dran war, versuchte ich der Dame am Schalter das Ganze zu erklären. Zuerst nickte sie, schien zu verstehen. Sie fing an zu arbeiten. Mit der Zeit wurde ihr Blick immer konzentrierter, fragender. Sie begann nervös mit den Fingern auf dem Tisch zu trommeln, schaute sich um, sprach mit einem Kollegen, der sprach in sein Walkie-Talkie. Und ich stand da, innerlich langsam verzweifelnd, äußerlich bemüht, ruhig zu bleiben. Es dauerte. Nüchtern betrachtet vielleicht zwanzig Minuten, gefühlt eine Stunde.

    Am Ende hielt ich die korrigierten Tickets in der Hand. Aufpreis: 100 Euro. Wenn ich es richtig verstanden habe, lag das Problem darin, dass man die Tickets nicht einfach umbuchen konnte, weil Aron mit auf dem Ticket stand – als kostenloser Mitfahrer. Irgendwas in der EDV kam damit nicht klar. Warum auch immer. Muss man nicht verstehen.

    Aber: Wir durften drauf. Fuhren an Bord. Hatten eine Kabine. Und Aron fand das Schiff natürlich super. Alles spannend, alles anders. Für uns war’s ein ruhiger Übergang – raus aus der Stadt, rüber auf die Insel. Die Überfahrt verlief entspannt. Und am nächsten Morgen rollten wir auf kretischen Asphalt.

    Vom Leuchtturm zur Löwenstadt – die Ostküste des Peloponnes

    Noch ein kleiner Nachtrag zum südlichen Peloponnes:
    Beim Durchschauen alter Bilder fiel uns auf, dass wir die Begegnung an der sogenannten Ochsenbucht ganz vergessen hatten. Der ursprüngliche Plan war, dort zu stehen – viele kennen die Bucht, sie ist beliebt. Doch der viele Regen hatte den Zufahrtsweg völlig unpassierbar gemacht: eine breite, tiefe Wasserlache zog sich quer über den Weg, der Boden war komplett durchweicht. Selbst ein Expeditionsmobil stand am Straßenrand davor – kein Durchkommen.

    Wir hätten uns vielleicht noch irgendwo dazustellen können, aber wir hatten keine Lust, dicht an der Straße in einer langen Reihe mit anderen Campern zu stehen. Stattdessen fanden wir über Park4Night einen Aussichtspunkt oberhalb der Bucht, bei einer kleinen Kirche. Dort trafen wir auf einen allein reisenden Österreicher mit einem kleinen selbstausgebauten PKW-Kastenwagen. Ein launiger Typ mit abwechslungsreicher Vergangenheit. Wir kamen ins Gespräch, sprachen über Reisen, Umwege, Lebensphasen. Bulgarien war ein großer Teil seiner Tour, und dort hatte er sich mit Müllgreifzangen eingedeckt. "Wir Camper hinterlasse die Orte besser als wir sie vorgefunden haben." Hat leider nicht jeder zum Motto. Eine davon verkaufte er mir zum Selbstkostenpreis von 1,50 Euro. Kurios, aber tatsächlich sehr praktisch – vor allem, um Stellplätze mal schnell ein bisschen kindertauglich zu machen.

    Nach dem Kap Tenaro ging es für uns die Ostküste hinauf. Der erste Zwischenstopp war das Schiffswrack der Dimitrios bei Gythio – rostig, schräg im Sand, halb im Wasser. Es liegt dort wie vergessen, still und beeindruckend. Eine Hundedame schloss sich uns für ein Stück an – als würde sie dazugehören.

    Kurz darauf erreichten wir einen Strand mit Blick auf Monemvasia. Wir wollten endlich mal wieder ein paar Tage hintereinander am gleichen Ort sein – aber nun war hier leider ein Campingverbotsschild aufgestellt, und laut aktueller Park4Night-Bewertungen soll die Polizei dort regelmäßig, auch nachts, den Platz räumen. Zum Glück kam ich mit einem anderen Camper ins Gespräch – Andreas, ein Deutscher, der dort mit Unterbrechungen schon mehrere Wochen stand, u.a. weil er auf ein Ersatzteil wartete. Er meinte, dass die Polizei zwar regelmäßig vorbeischaue, aber niemanden wegschicke. Man grüße sich mittlerweile freundich. Die Berichte passten nicht zum tatsächlichen Eindruck vor Ort.

    Mit Andreas habe ich mich richtig gut verstanden. Er war ehrlich, offen, hatte eine bewegte Biografie – und genau das hat etwas in mir angestoßen. Ich merkte, wie sich meine Einstellung gegenüber anderen Campern verändert hatte. Vorher störte es mich oft, wenn irgendwo schon jemand stand, wo wir hinwollten. Vielleicht ein Reflex, vielleicht dieses Bedürfnis nach Eigenraum. Aber inzwischen denke ich eher: Wahrscheinlich interessante Leute. Jeder hat seinen Grund, warum er unterwegs ist. Und nach so langer Zeit zu dritt ist es einfach schön, sich auch mal auszutauschen. Diese Begegnung war da ein Wendepunkt.

    Auf dem Platz lebten zwei Straßenhunde. Sie wurden täglich von einer deutschen Frau gefüttert, die mit einem Griechen verheiratet ist und ganz in der Nähe wohnt. Beim ersten Spaziergang begegnete uns eine der beiden – groß, kräftig, stellte sich bellend vor uns auf. Mit Aron auf dem Arm war das erstmal unangenehm. Später stellte Andreas uns ihr vor: Bella. Ab dann war sie verschmust, zutraulich, ganz ruhig – beinahe anhänglich.

    Der zweite Hund, ein Rassehund namens Pablo, war aufmerksam und wachsam. Er war oft mit Bella im Tandem unterwegs – die beiden wirkten wie ein eingespieltes Team. Eines Morgens schnappte er sich ganz geschickt eine von Arons kleinen Tupperdosen, die draußen auf dem Tisch lag – offenbar hatte er ein gutes Gespür für Gelegenheiten. Erst haben wir uns geärgert, aber dann war's eigentlich ganz lustig. Ab da waren wir beim Verstauen ein bisschen vorsichtiger.

    Hier standen wir dann tatsächlich drei Nächte – zum ersten Mal seit Montengro und zum dritten Mal seit Beginn der Reise wieder so lange an einem Ort. Es fühlte sich an wie echter Urlaub. Die letzten Wochen waren geprägt vom ständigen Weiterfahren, und die Reinigungsaktion nach dem Mäusebefall hatte uns fast fünf Tage gekostet. Dazu kam der Zeitdruck, da Anfang Februar die Verabredung mit Sophies Schwester und ihrer Familie auf Kreta bevorstand. Dies trieb einem im Hinterkopf immer etwas an, es gab hier ja auch so viel zu sehen und dennoch tat diese Pause uns spürbar gut.

    Monemvasia selbst war dann ein echtes Highlight. Der Felsen, über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden, trägt eine Altstadt, die sich komplett hinter dem Felsen verbirgt. Man tritt durch das Stadttor – und ist in einer anderen Welt. Enge Gassen, Natursteinmauern, Blüten an den Wänden, Kopfsteinpflaster, der Blick über das Meer. Die Oberstadt ist weitgehend Ruine, aber der Ausblick von dort oben war gigantisch.

    Kurz vor Nafplio übernachteten wir noch einmal an einem kleinen Strandparkplatz. Ganz zufällig entdeckten wir dort, etwas versteckt, eine winzige, sehr alte Kapelle. So ein Ort, der einfach auftaucht, wenn man nicht zu viel plant.

    Dann Nafplio – venezianisch geprägt, städtischer, aber trotzdem entspannt. Bunte Fassaden, Palmen, kleine Plätze, Cafés. Der Blick auf die Festung im Hafen – klassisch. Und doch hat es sich nicht touristisch angefühlt, sondern lebendig und charmant.

    Von dort aus machten wir einen Abstecher zur Doline von Didyma – ein riesiger, eingebrochener Krater, in dem zwei kleine Kapellen stehen. Man steigt durch eine Felswand in diese Senke hinab – wie in eine andere Welt. Im Inneren entdeckten wir tatsächlich dann auch zwei kleine Schildkrötchen.

    Anschließend ging’s zum Theater von Epidaurus. Die Akustik dort ist wirklich außergewöhnlich – man kann auf der Bühne eine Münze fallen lassen, und selbst in der obersten Reihe hört man sie. Das Theater liegt eingebettet in sanfte Hügel, mit viel Grün drumherum. Die gewaltige Form und die absolute Symmetrie sind beeindruckend – aber es ist gleichzeitig kein abgehobener Ort. Man kann sitzen, schauen, essen, zuhören. Aron krabbelte begeistert die Stufen hoch und wieder runter. Ein Ort mit jahrtausendealter Geschichte – und trotzdem vollkommen zugänglich.

    Epidaurus war in der Antike eines der bedeutendsten Heilzentren der griechischen Welt. Es war dem Heilgott Asklepios gewidmet, dessen Kult dort besonders stark verehrt wurde. Kranke Menschen reisten von weit her an, um im sogenannten Asklepieion Heilung zu suchen – durch Rituale, Träume, aber auch mit damaligen medizinischen Mitteln. Das riesige Gelände umfasste Tempel, Bäder, Schlafhallen und Sportanlagen. Das berühmte Theater von Epidaurus war Teil dieses Heilkomplexes – Kunst und Musik galten als wichtige Bestandteile der Genesung. Bis heute gilt es als eines der am besten erhaltenen antiken Theater – und wegen seiner herausragenden Akustik als architektonisches Meisterwerk.


    Der letzte Halt auf dieser Etappe war Mykene. Das berühmte Löwentor, die Zyklopenmauern, die Schachtgräber – vieles stammt aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Allein die riesigen Steine der Mauern lassen erahnen, welche Bedeutung der Ort einst hatte. Durch das Tor hindurch öffnet sich eine weite Fläche mit Ausblick über das Umland. Man läuft durch Gräberfelder, steht zwischen Mauerresten, der Wind zieht durch die Olivenbäume. Für Aron waren es spannende Wege und viele Steine – für uns ein stiller, fast ehrfürchtiger Ort. Die Atmosphäre ist schwer zu beschreiben. Die Dimension Zeit bekommt in Griechenland seine ganz eigene Bedeutung.

    Mit Aron durch die Antike – und querfeldein zurück

    Nach den Tagen am Elea Beach machten wir uns auf den Weg Richtung Olympia. Unterwegs hielten wir an einer Steilküste – eine dieser wilden Buchten, die einen sofort innehalten lassen. Wir machten ein paar Fotos, genossen kurz den (Augen-) Blick. Einer dieser Momente, in denen einem wieder bewusst wird, warum man das alles macht.

    Olympia war unser erstes großes Ziel. Die Atmosphäre dort ist ruhig, fast ehrfürchtig. Nicht überlaufen, nicht aufdringlich. Zwischen Säulenresten und alten Trainingsplätzen spürten wir etwas von der Bedeutung des Ortes. Aron krabbelte zwischen den Steinen umher, interessierte sich mehr für kleine Zweige und Käfer als für Tempel – und irgendwie machte genau das den Moment rund.


    In Mystras kamen wir erst spät am Nachmittag an, eigentlich schon zu spät für die große Runde. Aber wir wollten trotzdem rein – zumindest so weit, wie es die Zeit noch zuließ. Und während wir unterwegs waren, dachten wir: Wenn wir schon hier sind, dann doch ganz hoch zur Festung. Der Aufstieg war mit dem Zeitlimit fordernd, aber oben angekommen wurden wir belohnt. Der Blick über das Tal, die alten Mauern – phänomenal.

    Unterwegs durchquerten wir mehrere byzantinische Kirchen, teils verfallen, teils restauriert, manche mit noch erstaunlich gut erhaltenen Fresken. Dunkle Innenräume mit jahrhundertealten Wandmalereien, ausgeblichene Gesichter und Heiligenscheine. Aron saß still in der Kraxe, schaute sich um, ganz ruhig – wahrscheinlich fasziniert vom Echo und der besonderen Stimmung in diesen Räumen.

    Wir nahmen dann den zweiten Ausgang oben kurz unterhalb der Festung – zurück zum unteren Ausgang hätten wir es zeitlich nicht mehr geschafft. Leider stellten wir erst da fest, dass der Rückweg zu Fuß der Straße entlang viel zu lang gewesen wäre. Also entschieden wir uns, den Hang einfach querfeldein zu nehmen. Eine Weile ging das erstaunlich gut, dann wurde es steil, verwildert – ein kleines Abenteuer. Irgendwann entdeckten wir frischen Tierkot. Und wenn mich meine Outdoor-Kenntnisse aus diversen YouTube-Videos nicht täuschten, war das eindeutig von einem Fleischfresser und ein ganz schön großer Haufen. Vielleicht ein Bär? Vielleicht war es auch einfach die Erinnerung an die Warnschilder entlang der Straße, die vor Bärenüberquerungen warnten. Jedenfalls war die Aufmerksamkeit plötzlich da, und die Fantasie erst.

    Wir kamen aber zum Glück heil unten an, lachten über die Aktion – ziemlich erschöpft, aber zufrieden. Und ich musste an meine Eltern denken: Die sind genau diese Strecke Kalamatra-Mystras-Sparta in den 1970er-Jahren mit ihrem T3 (selbstnachgerüsteter Westfalia-Ausbau, minimalistisch, ohne Kühlschrank) gefahren. Irgendwie war das ein emotionaler Moment – jetzt mit eigenem Kind unterwegs, an einem Ort mit Geschichte, aber auch mit unserer eigenen.

    Sparta erreichten wir am Abend. Hungrig, noch verschwitzt von der Mystras-Wanderung, mit Mützen über den fettigen Haaren – die letzte Dusche war schon ein paar Tage her. Wir waren kaputt und wollten einfach nur noch etwas essen und landeten in einem sehr schön eingerichteten, gemütlichen Restaurant im Zentrum. Es war so gut wie leer, nur zwei andere Gäste. Wir setzten uns an einen Tisch, entspannt, angenehm unscheinbar – dachten wir.

    Etwa eine halbe Stunde später füllte sich das gesamte Lokal innerhalb weniger Minuten. Plötzlich waren alle Tische belegt – mit sehr fein hergerichteten Menschen. Stylisch, gepflegt, perfekt frisiert. Die Ruhe wich einem lauten Gewirr aus angeregten Unterhaltungen und Gelächter. Es fühlte sich fast an wie eine Szene aus einem Film, in der die Protagonisten in der falschen Garderobe in eine edle Hochzeit platzen. Nur dass es eben keine Hochzeit war, sondern anscheinend einfach der Ort zum Ausgehen in Sparta. Uns blieb nur, das Ganze mit Humor zu nehmen. Das Essen war jedenfalls ausgezeichnet – auch wenn wir leider nicht allzu lange bleiben konnten, weil Aron zu müde wurde. Wir machten also Platz für die nächsten Wartenden vor der Tür. Die haben sich vermutlich gefreut.

    Sparta wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Aber es liegt wunderschön – offen, weit, mit Blick auf das Taygetos-Gebirge im Westen. Gerade dies wurde uns im historischen Teil der Stadt bewusst. Die Ruinen verteilen sich locker über ein sanftes Gelände, eingebettet zwischen Olivenbäumen und Wiesen. Kein Eintritt – man kann einfach hindurchspazieren, ganz in Ruhe. Keine Menschenmassen, keine Absperrungen. Nur die Reste der alten Stadt, verwittert und still. Es war kein Ort, der einen überwältigt, sondern einer, der sich beiläufig zeigt. Und gerade das hatte seinen Charme.

    Ein Höhepunkt war für uns noch die Wanderung zum Kap Tenaro. Auf dem Weg dorthin hatten wir einen unserer bis dahin spektakulärsten Übernachtungsplätze. Steilklippe samt überwältigender Aussicht.

    Am Parkplatz für die Wanderung zum Kap Tenaro trafen wir andere Familien, Aron war sehr interessiert– begeistert, lachend und auch ganz aufmerksam am Beobachten. Der Weg selbst war stellenweise etwas anspruchsvoll – schmal, steinig, an manchen Stellen etwas ausgesetzt. Aber das letzte Stück zum Leuchtturm war spektakulär: Zu beiden Seiten das offene Mittelmeer, die Küstenlinie zog sich weit hinaus, dazu strahlender Sonnenschein. Dort am Ende, kurz vorm Leuchtturm, blieb man fast automatisch stehen und schaute – einfach, weil der Anblick so besonders war. Am Ziel angekommen, standen wir vor dem offenen Meer – dort, wo es fast viertausend Meter in die Tiefe geht. Verrückte Vorstellung.

    Auf dem Rückweg stürzte leider eine uns entgegenkommende ältere Frau und brach sich mit ziemlicher Sicherheit das Handgelenk. Sie biss auf die Zähne, war wirklich tapfer. Ihr Mann und ich begleiteten sie sicher wieder zu ihrem Camper. Sie hätten mich wahrscheinlich gar nicht gebraucht, aber so ein bisschen seelische Unterstützung war es wahrscheinlich schon. Er verarztete sie provisorisch und ab ging's zum Arzt. So ein Pech!

    Sehr schön geschrieben,Danke. Hast du mal überlegt ein Buch rauszubringen das hier geschriebene könnte schon bald eins füllen.;)

    Wir wollen auf jeden Fall für uns selbst zur Erinnerung eines machen.

    Aber falls wir "mehr" draus machen, werde ich es hier definitiv kund tun. 😀

    Danke fürs Mitnehmen!


    Kommt vielleicht auch noch: aber den Epirus habt ihr demnach nur durchfahren und weniger bereist? Also vor allem die Vikosschlucht müsste ja was für euch sein, Meteora (wenn auch touristischer) usw. ?

    Sehr gerne! Freut mich, wenn's gefällt.

    Tatsächlich sind wir aufgrund der Temperaturen und der Großwetterlage ziemlich direkt nach Peloponnes.

    Danke Dir für den Input. Schaut auf jeden Fall sehens- und erlebenswert aus. Wenn wir es finanziell gestemmt bekommen, soll uns der Bus noch lange erhalten bleiben und da ist es immer gut solch schöne Destinationen auf der To-do-Liste zu haben.

    Peloponnes – vom Festfahren, Dorfgefühl und Donnernächten

    Nach den fordernden Tagen in Thessaloniki und Ioannina erreichten wir endlich den Peloponnes – und mit ihm kam zum ersten Mal das Gefühl zurück, wirklich wieder unterwegs zu sein. Die Straßen wurden weiter, die Landschaft heller, vielleicht aber auch nur der Kopf ein bisschen freier.

    Olivenhaine zogen sich in langen Reihen die Hänge hinauf, immer wieder Orangen- und Zitronenbäume – manchmal direkt am Straßenrand. Im Hintergrund türmten sich die Hügel. Die Stimmung im Bus war gut. Wir waren einfach froh, wieder unterwegs zu sein – mit etwas mehr Leichtigkeit, mit Vorfreude auf das, was kommt.

    Zunächst landeten wir an einem abgelegenen Strand. Er wirkte auf den ersten Blick ruhig und einladend. Erst als wir ankamen, sahen wir ein Hinweisschild: Naturschutzgebiet – Camping verboten. Kein offizielles Verbot für Fahrzeuge, aber eben kein Übernachten erlaubt. Wir wollten das respektieren und fuhren weiter.

    Daraufhin suchten wir gezielt einen Parkplatz auf, der zu einem Restaurant am Strand ganz in der Nähe gehörte. In den Kommentaren hatten wir gelesen, dass andere Reisende dort bereits übernachtet hatten. Wenn man vorher einkehrt - kein Problem

    Das Tor zur Zufahrt war allerdings verschlossen, und wir dachten schon, wir müssten umdrehen. Doch dann sahen wir auf dem Grundstück drei Menschen. Ich habe mich an der Seite durch das Tor gequetscht und bin auf sie zugegangen – einer von ihnen war tatsächlich der Besitzer des Restaurants. Ein Glücksmoment.

    Er selbst konnte kein Englisch, ich kein Griechisch – aber zum Glück waren seine Freunde des deutschen mächtig. Ein Pärchen mit Wurzeln aus der Gegend, das mittlerweile in München lebt. So lief die Konversation ganz unkompliziert: Der Besitzer war freundlich, hat uns sofort erlaubt, auf dem Parkplatz zu bleiben, und öffnete das Tor für uns.

    Auch wenn in der Offseason kein regulärer Betrieb war, durften wir stehen bleiben.

    Auf dem Platz parkte ein beeindruckender Mercedes Sprinter mit Bimobil-Kabine – die erste, die ich je aus der Nähe gesehen habe. Massiv, funktional, aber schick. Der Mann, der darin reiste, war allein unterwegs. Am nächsten Tag kamen wir ins Gespräch – sehr freundlich. Das ganze Fahrzeug: durchdacht, hochwertig, geräumig. Allrad, Riffelblech, liebevoll ausgebaute Kabine. Und trotzdem nicht protzig. Normalerweise finde ich viele Wohnmobile eher… gewöhnungsbedürftig. Aber dieses hier? Schnieke. Das hatte Stil.

    Der Strand dort war klein, aber süß – genau richtig zum Ankommen. Ein Ort zum kurzen Durchschnaufen.

    Von dort aus fuhren wir weiter zum Elea Beach. Unser Plan: ein paar Tage Ausruhen, Durchatmen, Sonne tanken. Wir kamen bei Dunkelheit an, es war spät. Und gleich in dieser ersten Nacht passierte es – wir fuhren uns fest. Der Boden war weich, der Sand tief, und mit unserem Gewicht passierte was (uns) passieren musste: Wir fuhren uns fest. Im ersten Moment war das frustrierend. Doch am nächsten Tag – bei Licht – sah alles schon etwas besser aus.

    Als wir am Morgen unseren festgefahrenen Bus begutachteten, kamen gleich mehrere Leute vorbei – mit Rat, mit Tipps, mit Geschichten. Und da merkten wir, was wir vorher schon oft gelesen, aber nie erlebt hatten: Wie viel es bringt, Luft aus den Reifen zu lassen. Der Unterschied ist gewaltig.

    Elea Beach ist ein bekannter Ort unter Langzeitreisenden. Manche leben dauerhaft im Van, LKW oder Camper, viele entfliehen einfach nur dem Winter in Deutschland – so wie wir. Die Beweggründe, dort zu sein, sind unterschiedlich, genau wie die Menschen selbst.

    Die Mischung an Fahrzeugen war entsprechend vielseitig: alte Wohnmobile, riesige Expeditionsfahrzeuge, moderne Busausbauten – und natürlich der Klassiker: der weiße Kastenwagen.

    Auch bei den Menschen war alles dabei: junge Paare, Alleinreisende jeden Alters, Familien mit offensichtlich schulpflichtigen Kindern. Eine richtig bunte Mischung.

    Und Elea Beach war nicht nur ein Platz zum Stehen – dort herrscht so etwas wie ein loses Dorfgefühl. Es gibt eine gewisse Struktur, obwohl die Gemeinschaft (zu unsere Zeitpunkt ca 250 Campingfahrzeuge, verteilt auf 3km Strand) ständig in Bewegung ist: Menschen kommen, andere gehen, manche bleiben nur kurz, andere verbringen hier mehrere Monate, feiern sogar Weihnachten und Silvester am Strand.

    Wer möchte, kann sich in eine WhatsApp-Gruppe aufnehmen lassen. Darüber organisiert sich vieles: Yoga, Griechischkurse, kleine Konzerte, Workshops, gemeinsames Kochen. Im Gespräch kam auch zur Sprache, dass ich in Deutschland als Masseur arbeite – und sofort hieß es, dass man mit so einem Angebot hier gut etwas verdienen könne. Viele teilen, was sie können, und gestalten sich so ihren Alltag – ganz ohne feste Infrastruktur, aber mit einem ziemlich lebendigen Netzwerk.

    Ein paar Einheimische versorgen die Gemeinschaft jeden Morgen mit frischem Gebäck oder selbst angebautem Obst und Gemüse.

    Ein LKW stach besonders ins Auge – er hatte eine ausfahrbare zweite Etage und im Heck eine kleine Garage, in der ein Geländewagen stand. Für mich wirkte das Ganze ehrlich gesagt etwas protzig, irgendwie zu viel. Aber gut, die Geschmäcker sind verschieden – andere fanden es vielleicht genau richtig.

    Es war eine kleine, improvisierte Welt – bunt, eigenwillig und zum Teil inspirierend.

    So schön der Aufenthalt am Elea Beach auch gewesen war – das Wetter machte es uns schwer, dort länger zu bleiben. Es war nicht einfach nur „durchwachsen“ oder „wechselhaft“, sondern wirklich fast durchgehend verregnet. Klar, es gab auch mal kurze trockene Phasen tagsüber, abends und nachts kamen die Gewitter – und zwar heftig.

    Ich habe selten so lauten Donner erlebt. Einer davon hat mich sogar mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen – als würde der Himmel direkt über uns zerreißen. Spektakulär, ja, aber nicht unbedingt ein Ort zum Ausharren. Vor allem nicht im T4, mit Kleinkind, bei Dauerregen. Da stößt man irgendwann an Grenzen. Er ist eben nicht das perfekte Fahrzeug für viele Tage Regen am Stück.

    Wir fanden es dennoch sehr interessant hier gewesen zu sein. Für uns ging es allerdings nach zwei Tagen weiter.

    Zurück im Bus: Mäuse, Minuspol & magische Orte

    Anfang Januar flogen wir zurück nach Griechenland. Der Flug hatte Verspätung wegen Eisregen in Berlin – wir saßen lange im Flieger, alles zog sich. In Thessaloniki kamen wir tief in der Nacht an. Der Besitzer des Park-and-Ride-Platzes hatte uns wie vereinbart vom Flughafen abgeholt und zum Bus gebracht. Soweit lief alles relativ reibungslos.

    Doch als wir den Bus betraten und versuchten, das Licht einzuschalten, blieb es dunkel. Kein Strom. Der erste Dämpfer. Die Batterie war leer – völlig. Kein Licht, kein Wasser, nichts. Wir waren müde, es war spät, also erstmal schlafen. Hoffentlich hatte die Aufbaubatterie keinen Schaden genommen.

    Am nächsten Morgen dann der zweite Dämpfer. Ich entdeckte ein großes Loch im Moskitonetz. Erst dachte ich, vielleicht ist etwas hängen geblieben. Doch es passte nicht. Dann fielen uns kleine schwarze Mäuseködel auf – im Bett. Mit jedem weiteren Blick in den Bus wurde klarer: Mäuse hatten sich während unserer Abwesenheit eingenistet. Sie waren durch Taschen und Fächer gezogen, hatten Vorräte angenagt, Verpackungen zerfetzt. Wir hatten buchstäblich in einem Nest geschlafen. So eine Sch....

    Wir mussten erstmal hier weg. Allein dieser Parkplatz – kalt und nass – wir hielten es dort keine Minute länger aus. Wir schnürten uns die Schuhe, packten Aron in die Kraxe und machten uns auf den Weg. Zu allem Überfluss war nämlich der 6. Januar. Heilige Drei Könige, nationaler Feiertag in ganz Griechenland. Alles dicht. Zwei, drei Kilometer entlang der Schnellstraße. Ein-, zweimal mussten wir die Straßenseite wechseln, weil es keinen Gehweg gab oder riesige Pfützen diesen versperrte. Es war feucht und grau – und trotzdem irgendwie ein besonderer Spaziergang. Laut Google gab's da nämlich einen Bäcker der offen hatte. Wir hatten Glück, er war offen und so konnten wir uns zumindest mit Gebäck eindecken.

    Noch am selben Tag fuhren wir weiter nach Ioannina – wir mussten einfach weg von diesem trostlosen Parkplatz, irgendwohin, wo wir atmen konnten. Und wo die Batterie durch etwas Fahrzeit wenigstens etwas Leben zurückbekam.

    Dort begannen wir mit dem, was unausweichlich war: die große Reinigung. Ein kompletter Tag ging für die professionelle Innenraumaufbereitung drauf. Wir räumten alles aus. Leider mussten wir immer wieder nachkontrollieren – „hier fehlt noch, da ist noch was“. Nach sieben Nachbesserungsrunden übernahmen wir selbst: Wischten, desinfizierten, sortieren jedes einzelnen Gegenstandes im Bus und es ist enorm was alles so in einen T4 reinpasst. Aron machte das alles erstaunlich geduldig mit. Ein kleiner Fels inmitten des Chaos.

    Am nächsten Tag stand der große Wäschewaschtag an. Alles, was Stoff war, ging in die Maschinen. Auch dieser Tag ging komplett dafür drauf – aber am Abend war das Gröbste geschafft. Ein Mitwaschender brachte uns während des Tages selbstgemachtes Essen vorbei. Er wohne in der Nähe. So eine herzliche Geste.

    Wir kamen zurück zum Bus, luden die frische Wäsche ein, wollten den Motor starten – nichts. Nur ein ständiges Klackern der Zeiger. Mein Kopf fuhr Karussell: Wie kann das sein? Als der ADAC bereits am Apparat war, schaute ich gerade unter die Haube – und da war sie: die lockere Klemme am Minuspol. Festgezogen – und zack, der Wagen sprang an. Das war so ein Moment, in dem ich mich ein bisschen wie MacGyver gefühlt habe. Als hätte man das ganze Ding neu zusammengebaut. Die Erleichterung war jedenfalls riesig.

    Aber es war klar: Wir brauchen eine Pause. Die Wäsche war nicht komplett trocken, manches durfte sowieso nicht maschinell getrocknet werden. Also suchten wir uns einen Campingplatz mit Dusche, Toilette und Platz zum Wäscheaufhängen. Ein, zwei Tage durchatmen, runterkommen, Ordnung schaffen.

    Es war geschafft. Sophie packte den Bus für die Abfahrt Richtung Peloponnes, ich spielte mit Aron draußen. Und dann geschah es: Aron rutschte ab – frontal auf die spitze Ecke einer Steinbank. Kein Abrollen, kein Abstützen. Er fiel mit dem Gesicht einfach direkt auf die Ecke.

    Ich hob ihn hoch, erleichtert, weil es nicht sonderlich schlimm aussah. Doch als er den Mund öffnete und aus voller Inbrunst markdurchdringend zu schreien begann, quoll das Blut aus seinem Mund. Schock und leichte Panik machten sich breit. Diese Schuld- und Überforderungsgefühle, die da aufkamen, waren gewaltig. Es war diese Mischung aus Trauer, Wut auf sich selbst, Mitleid, Angst und Verzweiflung. Für den Moment war ich ziemlich aufgelöst, stand ganz schön neben mir und wollte nicht wahrhaben, wie es so weit kommen konnte. Ich trug ihn zu Sophie und zum Glück beruhigte er sich in ihren Armen und an ihrer Brust recht schnell. Mein Herz pochte dennoch Stakkato.

    Es war das Lippenbändchen durchtrennt. Deshalb die starke Blutung, die zum Glück auch schnell wieder aufhörte. In seinem Nuckel entdeckten wir später eine tiefe Kerbe. Mit etwas Abstand, wurde mir klar, wie viel schlimmer es hätte kommen können.

    Nach diesen Tagen voller Umwege, Schreckmomente und Improvisation fühlte sich alles an, als müsste jetzt langsam mal wieder etwas Leichtes kommen.

    Und das tat es auch – mit der Fahrt auf den Peloponnes. Aber davon erzähle ich im nächsten Beitrag.

    Albanien & Nordmazedonien – Osum-Schlucht, Ohridsee und Thessaloniki

    Von Berat aus führte unser Weg zur Osum-Schlucht – ein Ort, der schon lange auf unserer inneren Reisekarte stand. Nach den Regentagen zuvor und weiteren Schauern in Aussicht waren die Bedingungen alles andere als ideal. Gleichzeitig war da dieses gute Gefühl im Bauch: Die Entscheidung, die ungewollt abenteuerliche Route ein paar Tage zuvor abzubrechen, war die richtige gewesen.

    Die sogenannte „Todespiste“, die uns ja eher aus Versehen unter die Räder gekommen war, hatte uns einiges abverlangt – fahrerisch und nervlich. Dennoch war es ja auch eine Erfahrung, für die wir dankbar bleiben. Wir hatten gemerkt, wo unsere damaligen Grenzen lagen – und dass es Untergründe gibt, auf denen wir einfach nicht weiterkommen. Vor allem, wenn’s nass wird.

    Und genau deshalb haben wir in der Osum-Schlucht beschlossen: Wir bleiben oben. Es hätte mehrere Abzweige gegeben, um runter in die Schlucht zu fahren, aber die waren steil, unbefestigt, und führten direkt ins Flusstal. Wenn es da zu rutschig wird – wer weiß, ob uns da unten überhaupt jemand rausziehen könnte? Schon trocken wäre das vielleicht grenzwertig gewesen. Bei Nässe? Lieber nicht.

    Stattdessen standen wir an den Aussichtspunkten, tranken Kaffee, ließen uns Zeit. Die Schlucht war auch so überwältigend – wild, tief eingeschnitten, umgeben von Fels und Grün. Man spürt die Kraft der Natur hier, auch ohne mittendrin zu stehen.

    Am Rand der Schlucht fanden wir ein kleines Restaurant, das von einem Ehepaar betrieben wurde. Es fühlte sich ein bisschen an, als säßen wir in ihrem Wohnzimmer. Weil es wahrscheinlich auch so war. Fernseher lief, auf der Couch stapelten sich Decken, ein alter Holzofen glühte und es gab einen einzigen Tisch für Gäste. Aron war sofort Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – wie so oft auf dieser Reise. Die Frau nahm ihn mit einem Blick ins Herz. Wir erleben das häufig: Wenn wir mit ihm unterwegs sind, begegnen uns die Menschen noch offener. Es ist, als würde er Türen öffnen, ohne etwas sagen zu müssen.

    Mit dem Mann unterhielt ich mich nach dem Essen kurz über Google Translate. Ein paar Tipps, wohin wir weiterfahren könnten, dies, das. Eine schöne Begegnung und für uns eine toughe Vorstellung, wenn dies unsere Lebensrealität wäre.

    Das Wetter besserte sich nicht. Im Gegenteil, es blieb unbeständig, wolkenverhangen, feucht. Eigentlich hätten wir gern noch ein paar ruhige Tage an der albanischen Küste verbracht, aber die Regenfront hatte andere Pläne. Also machten wir uns auf den Weg nach Nordmazedonien. Ziel: der Ohridsee.

    Schon bei der Anfahrt dämmerte uns, warum dieser See immer wieder als „Gardasee des Balkans“ beschrieben wird. Er liegt weit eingebettet zwischen Hügeln und Bergen, das Wasser tief und still, fast wie Glas. Selbst Ende November hatte die Landschaft etwas Sanftes. Etwas Weites und Ruhiges. Genau das Richtige nach den Tagen voller Rumpeln und Planänderungen.

    Wir entschieden uns für ein paar Tage Airbnb in Ohrids Altstadt, denn Arons erster Geburtstag stand bevor und in den Nächten sollten die Temperaturen weit unter null sinken. Unsere Unterkunft lag dann unmittelbar neben dem alten Amphitheater. Eine Lage, wie man sie sich nicht besser wünschen kann. Außer vielleicht noch freie Sicht auf den See. Von dem Balkon aus blickten wir auf verwinkelte Gassen, auf Häuser mit viel Holz und weißen Fassaden. Die Stadt hatte etwas Warmes, trotz der Kälte. Wobei die Tage ungeachtet der niedrigen Temperaturen überraschend frühlingshaft auf uns wirkten, als hätte die Sonne hier ein paar PS mehr. Man merkt dem Ort richtig an, dass er Geschichte atmet, ohne dabei jedoch museal zu wirken.

    Wir haben einige der alten Kirchen besucht, sind einfach durch die Altstadt gestöbert, haben Pausen gemacht, wo es sich gerade anbot. Es war ruhig – Nebensaison. Kaum Touristen. Eine gute Zeit, um solche Orte zu erleben.

    Auch am See selbst war es besonders. Das ruhige glitzernde Wasser und am Horizont zogen sich die schneebedeckten Berge entlang. Solche Anblicke verzaubern mich jedesmal aufs Neue. Eine Stimmung, bei der man nicht viel sagen muss, weil sie ohnehin alles in sich trägt.

    Kurzer Einschub: In der Altstadt mit ihren schmalen Gassen verfuhr ich mich bei der Ankunft und nächtlichen Suche nach der Unterkunft ziemlich unclever und wir kamen nicht weiter. Die Straße war super steil, es ging um eine enge Kurve und ich musste rückwärts hochrangieren - zudem die niedrigen Balkone. Für einen Moment dachte ich, die Kupplung stirbt. Vielleicht war es da aber auch schon nur das mittlerweile bekannte Loch in der Auspuffanlage (Höhe Schiebetür), das sich im Rückwärtsgang besonders bemerkbar macht.

    "An dieser Stelle will ich nochmal ein Danke loswerden – an alle, die hier im Forum mitlesen, mitschreiben, mitdenken. Wenn unterwegs ein technisches Problem auftritt, fühlt sich das oft nicht klein an. Es hängt viel dran, nicht nur die Mobilität. Auch das Gefühl, weitermachen zu können, frei zu sein, sich auf das eigene Fahrzeug verlassen zu können. Und wenn man dann merkt, dass da Menschen sind, die einen unterstützen – mit Wissen, mit Erfahrung, manchmal einfach nur mit einem guten Wort – dann bedeutet das eine Menge."

    Danach ging es weiter nach Griechenland. In Thessaloniki verbrachten wir zunächst ein paar schöne Tage am Wasser. Es war ruhig, fast spätherbstlich, aber mit dieser typischen Meeresluft, die sofort etwas im Kopf weitet. Dann kam eine Unwetterwarnung rein – offiziell, mit Benachrichtigung aufs Handy. Der Tenor war eindeutig: besser drinnen bleiben. Aron hatte sich zudem leider mittlerweile richtig doll erkältet. Wir vermuteten durch die Klimaanlage in der Unterkunft am Ohridsee. Er hatte Fieber, war ziemich angeschlagen. Alles zusammen machte es für uns leicht, die Entscheidung zu treffen: wir ziehen nochmal in eine Unterkunft, bevor der Flug zurück nach Deutschland ansteht. Hoffen, dass Aron so schnell es geht gesundet.

    Die Wohnung war außerhalb gelegen und ein kleines Nest zum Runterkommen. Ruhig und funktional. Wir konnten nochmal waschen, kochen, durchatmen. Und irgendwie hat uns das gutgetan – auch emotional. Die letzten Wochen waren intensiv. Zum Glück ging es Aron schnell besser.

    Thessaloniki hatte viele Gesichter. Einmal haben wir in einem Viertel geparkt, das eher einfach wirkte – bröckelnde Wände, kleine Läden. Es hatte etwas Bodenständiges, aber auch etwas Angeschlagenes und Heruntergekommenes.

    Ganz anders war es später am Hafen. Dort lagen die Szene-Cafés, Designerläden, alles wirkte durchgestylt. Die Menschen waren auffallend modisch unterwegs, gepflegt bis ins Detail. Man sah deutlich: Hier fließt Geld. Dieser Kontrast innerhalb weniger Gehminuten war krass – fast, als würde man zwei Städte erleben.

    Wir nutzten die Gelegenheit, um noch ein paar Dinge für Weihnachten zu besorgen. Wir fanden kleine Geschenke und Leckereien. Ein schöner Abschluss.

    Der Heimflug rückte näher – mit einem gewissen Bauchkribbeln. Die letzten zwei Tage verbrachten wir auf dem gemieteten Stellplatz samt Shuttleservice zum Flughafen. Wir hatten uns vorab viele Gedanken gemacht, wie Aron das mitmachen würde. Zum Glück war die Erkältung bereits abgeklungen. Beim Start war er noch nich mal unruhig, sondern fröhlich, ließ sich stillen, wurde müde, schlief ein – und wachte erst kurz vor der Landung wieder auf. Total entspannt, mit einer Leichtigkeit, als hätte er das alles schon hundertmal gemacht. Besser hätte es wirklich nicht laufen können.

    Damit ging für uns das erste große Kapitel zu Ende. Und gleichzeitig wussten wir: Es ist nur eine Pause. Denn nach Weihnachten, nach Silvester – im neuen Jahr – wartet schon die Weiterführung des Abenteuers.

    Ein verspätetes "Weihnachtsgeschenk" sollte bei unserer Rückkehr auch noch auf uns warten. Auf das Abenteuer hätten wir allerdings gut verzichten können.


    PS: Leider habe ich aus Thessaloniki selbst scheinbar so gut wie keine Fotos, zumindest keine ohne Aron. Ich wurde auf die geltenden Regeln, die ich absolut respektiere und für nachvollziehbar halte, hingewiesen. Deshalb sind nachträglich auch alle Bilder aus den Beiträgen verschwunden, auf denen Arons Gesicht klar zu erkennen ist.